5. Fastensonntag - Unterbrechung

21.03.2021

Bild: Martha Gebauer, In: http://Pfarrbriefservice.de

Am Ende einer langen und hitzigen Diskussion doch Recht zu bekommen ist ziemlich unwahrscheinlich. Nur selten endet das Ganze mit dem einsichtsvollen Satz der/des anderen: „Ja – du hast ja recht!“
Und wer kennt es nicht: Nachdem man etwas ordentlich gegen die Wand gefahren hat, bekommt man auch noch auf’s Brot geschmiert: „Siehste, habe ich doch gleich gesagt. Hättest Du doch auf mich gehört! Habe ich doch Recht behalten.“

Anfang März ging eine Meldung durch die Medien, dass in New York drei Schwarze nach fast einem Vierteljahrhundert unschuldig hinter Gittern freigesprochen worden sind. Ihnen wurde fälschlicherweise Mord vorgeworfen. Und natürlich hat man bei solch einer Meldung ein ordentliches Kopfkino, weshalb es zu solch einem Fehlurteil kommen konnte.

Recht haben, Recht behalten und Recht bekommen sind sehr verschiedene Sachverhalte.

Der 5. Fastensonntag, der Passionssonntag, steht unter dem Wort "Judica" von lat. "judica me, deus", übersetzt: "Schaff' Recht mir, Gott".
Das klingt nach einem großen Hilferuf in verzweifelter Situation.
Und es klingt das alte Gottesbild des „Richters“ an – und da ging es nicht ausschließlich um die Bestrafung der Täter, sondern es ging um Recht bekommen und um das damit einhergehende Wieder-Aufgerichtet-Werden. Eine kleine Begebenheit erzählt davon:
Ein Richter musste einen Mann verurteilen, weil dieser vor lauter Hunger Brot gestohlen hatte. Das Gesetz schrieb für dieses Vergehen 10 Dollar Strafe vor. Das Urteil wurde gesprochen. Anstelle des Angeklagten aber zahlte der Richter den Betrag und verurteilte alle Anwesenden im Gerichtssaal zu einem Bußgeld in Höhe von 50 Cent. Er begründete dies, dass sie alle in einer Stadt leben würden, in der ein Mensch es nötig habe, Brot zu stehlen, wenn er nicht verhungern wollte.
Am Ende verließ der Verurteilte erhobenen Hauptes und mit knapp 50 Dollar in der Tasche den Gerichtssaal.

Dem gibt es wohl nur noch ein kräftiges „Amen“ hinzuzufügen. So sei es! – Und probieren wir uns doch auch mal aus, im Aufrichten anderer – wie das wohl gehen mag?