6. Fastensonntag

28.03.2021

Palmsonntag

Neulich las ich in einem Onlineartikel, dass nach der Zerstörung des zweiten Tempels in Jerusalem im Jahr 70 und der Vertreibung der Juden aus dem Land Israel selbiges in „trostloser Ödnis“ lag, was wohl neben einem massiven Rückgang von bunter Baum- und Blumenvielfalt auch bedeutete, dass viele hundert Jahre dort keine Palmen mehr wuchsen.
Erst ab dem Jahr 1882 und der großen Rückkehrwelle änderte sich dies und die Dattelpalmen, die heute so zahlreich in Israel kultiviert werden, kehrten zurück.

Was hätten die Menschen Jerusalems wohl stattdessen genommen, wenn sie keine Palmzweige gehabt hätten, mit denen sie Jesus zujubeln konnten, um ihn mit viel Begeisterung beim Einzug in ihre Stadt als ihren König zu feiern?
Na, sie hätten sich sicher zu helfen gewusst – so wie wir ja auch, denn Palmzweige gibt es in unseren Breitengraden jetzt auch nicht so oft vom Straßenrand zu pflücken.

Zu Palmarum – so also der lateinische Name des Palmsonntags – denken wir an die überschwängliche Begrüßung Jesu durch die Bewohner der Königsstadt und deren großer Begeisterung, die aber so schnell verwelkte, wie eben abgebrochene Zweige vom Baum.
Die vorgesehene Leseordnung der Bibeltexte des Palmsonntags geben diesem Wandel und dem schnellen Abwenden vom König Ausdruck. Es klingen uns noch die Hosianna Rufe in den Ohren, da bekommen wir auch schon die leidvolle Passionsgeschichte zu hören. Und das alles in einem Gottesdienst. Passt nicht, befand ich für lange Zeit - aber eigentlich passt es doch, denn viel länger dauerte der Fall Jesu vom umjubelten König bis hin zum Zum-Tode-Verurteilten auch nicht.
Der „Eintagsfliegen-Jubel“ der Jerusalemer mag irritieren und empören, aber wir Menschen sind wohl so.
Stars und Sternchen am Himmel steigen schnell auf und können aber auch zügig wieder sinken. Und die Personen dahinter? Interessieren häufig nicht mehr.

Und so mag ich heute das Wort Treue ins Spiel bringen:
Sich selbst, dem anderen oder einer Sache, einer inneren Überzeugung oder meinem Glauben treu bleiben – das sind die Stichworte, die eben sehr gut zum Palmsonntag und der sich anschließenden Karwoche passen.
Jesus hat nicht „gekniffen“ und blieb seiner frohen und befreienden Botschaft treu: Gott liebt euch alle, ohne Unterschied!
Jede/r wünscht sich nichts sehnlicher, als Menschen an der Seite, die mit einem durch Dick und Dünn gehen, von denen wir nicht im Stich gelassen werden und die uns nicht fallen lassen.
Unser nahendes Osterfest erzählt davon - Ich halte Dir die Treue! Ich bleibe bei Dir, so lang, bis die Dunkelheit verfliegt und vom Licht der Auferstehung überstrahlt wird.

Was für eine wunderbare Zusage!