Und bis wir uns Wiedersehen…

von Regina ;)

Ihr Lieben,

ich habe sie alle nochmals gelesen und ich stelle fest: sie sind für mich ein Tagebuch geworden – alle meine Sonntagsworte „beschwören“ tatsächlich die vielen unterschiedlichsten Gefühle und Themen herauf, die mich in den letzten Wochen begleitet haben: Zuversicht, Dankbarkeit, Lustiges und Trauriges, Ohren hängen lassen, Kraft schöpfen aus der Bibel, große Freude an Euren Lebenszeichen und Euren Rückmeldungen, … eine Zusammenfassung der Corona-Zeit 2020. Ich werde sie nicht vergessen können.

Ihr merkt schon, ich bereite hier gerade etwas vor: Es soll die letzte Sonntagsmail werden, denn in der kommenden Woche beginnen die Ferien und damit auch die Urlaubszeit – für Euch, für mich und für unsere/n Webmaster/in in St. Josef und in CC, die Woche für Woche dafür gesorgt haben, dass meine Gedanken pünktlich zum Sonntag auch auf unseren Internetseiten zu finden waren. Dafür möchte ich Euch (Karsten und Renata) auch an dieser Stelle sehr herzlich danken!!!

Im Evangelium vom Sonntag (Mt 10,26-33) springt mich gleich zu Beginn ein Satz besonders an: Fürchtet euch nicht vor den Menschen.
In einer Zeit, in der man sich nur mit Gesichtsmaske und maximal auf einem Meter fünfzig nah kommen darf, ist das wohl nur all zu verständlich.
Aber in diesem Fall ist es ja nicht der Mensch an sich, vor dem ich mich fürchten muss, sondern ein fieser Virus. Ich habe mich in meinem persönlichen Leben zum Glück nie vor anderen fürchten müssen, nicht vor einem schlagenden Vater, einem niedermachenden Lehrer oder mobbenden Chef, und obwohl ich in einem Land aufgewachsen bin, dessen Regime mit brachialer Autorität, massiven Einschränkungen der Meinungsfreiheit und häufig völlig menschenverachtenden Bestimmungen regiert hat. Ich kenne auch keine Angst im Dunkeln, oder wenn ich mich abends allein auf den Heimweg machen muss.

Und doch gibt es Menschen, vor denen sich die ganze Welt fürchtet und gefürchtet hat, denn allein in den letzten hundert Jahren gab es eine Unmenge an Diktatoren, die nicht nur ihre eigenen Länder, sondern den ganzen Erdball ins Unglück gestürzt haben. Nachdem diese Diktatoren samt ihrem Unterdrückungsapparat entmachtet waren, stellte sich doch aber immer wieder die Frage: wie konnte es soweit kommen und warum haben sich die Menschen vor dieser einen Person so gefürchtet?

Umso beeindruckender sind Menschen, die sich nicht fürchten und sich diesen brutalen Machthabern und Rassisten in den Weg stellen. Woher haben sie ihre Kraft genommen, woher nehmen sie ihre Kraft?
Viele tatsächlich aus ihrer großen Liebe zu Gott und den Menschen, gestärkt durch ihr großes Gottvertrauen: „Bei Euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf gezählt. Fürchtet Euch also nicht!“ So lautet der Zuspruch Jesu weiter im Sonntagsevangelium, der von einem äußerst fürsorglichen Gott erzählt, von dem man sich vorstellen kann, dass seine Umarmungen und das Streicheln über den Kopf wohltuend sind und bei dem es eine Freude ist, einzukehren und aufzutanken. Und vor allem, was er sich für Mühe gibt, wenn er sogar jedes einzelne Haar auf meinem Kopf zählt (zumindest bei mir gibt es da ja noch was zu zählen ;-)
Aber ich will tatsächlich nicht zu „süßlich“ werden, denn ja – es gibt so viel zum Fürchten auf dieser Welt und ganz gewiss auch in jedem einzelnen Leben leidvolle Prüfungen oder gar seelische und körperliche Gewalt, die durch andere verursacht werden.
Ich wünsche uns aber die Erfahrung, dass Menschen an unserer Seite sind, die uns im Scheitern, bei Anfeindung, Hass und Leid zur Seite stehen und wir dadurch spüren, dass eben dieser gute Gott uns nicht allein lässt.

Ich grüße Euch noch einmal sehr herzlich von dieser Stelle aus, Euch allen einen wundervollen Sommer mit ganz viel Erholung, bleibt behütet und beschützt „und bis Wiedersehen halte Gott dich fest in seiner Hand“

Eure Regina